
Gestern hat es uns in der Musikmuschel Westerland ein steifes Lüftchen um die Nase geweht. Kühl war’s, und der Wind kam frisch von See herein, als wollte er selbst noch eine Strophe mitsingen. Doch eine Shanty-Crew lässt sich von ein paar Böen nicht aus dem Takt bringen: Wir standen fest an Deck der Muschel und hielten Kurs.






Dabei fuhren wir gestern mit etwas dünner besetzter Mannschaft. Vor allem in den Bässen klaffte so manche Lücke, denn ein paar unserer tiefen Stimmen lagen krank oder verhindert vor Anker. Doch wer da war, hielt das Fundament umso fester, und so trug das Schiff auch mit knapper Besatzung sicher durch.
Für kräftigen Rückenwind sorgten dafür gleich vier Akkordeonspieler, die mit vollem Balg gegen den Wind anspielten und den Klang trugen. Und unser Neumitglied Katrin stand längst nicht mehr wie eine Frischgemusterte an Bord. Sie war bereits ausgezeichnet eingespielt, als hätte sie schon manche Seemeile mit uns hinter sich. Ein schöner Zugang für die Crew.







Und obwohl das Wetter alles andere als einladend war, ließ sich das Publikum nicht abschrecken. Der Besuch war trotz Wind und Kälte überaus gut. Die Zuhörer hielten wacker die Stellung, und für diese treue Gefolgschaft bei rauem Wetter sind wir von Herzen dankbar.
Statt richtig beizudrehen und eine Pause einzulegen, sind wir kurzerhand einmal rund um die Muschel gelaufen. Einmal längs an der Bordwand entlang, die Beine vertreten, den Wind aus den Knochen geschüttelt, und schon ging es mit neuer Fahrt zurück ans Werk. Ein Landgang von der kürzesten Sorte, aber er hat gereicht, um die Mannschaft wieder auf Betriebstemperatur zu bringen.

















Wer bei diesem Wetter durchhält und trotzdem Ton hält, der hat das Salz wahrhaftig im Blut. So klang unser Gesang gegen Wind und Wetter an, und am Ende hatte die Nordsee zwar den kälteren Atem, aber wir den längeren.