Klarschiff in der Musikmuschel – der Sylter Shanty Chor entert die Promenade

Moin! Man soll ja nicht mit dem Klabautermann rechnen, aber der hatte vor dem Konzert offenbar schlechte Laune: Es pfiff und schüttete, dass selbst die Möwen überlegten, ob sie besser Landgang machen. Petrus stand kurz vorm Absaufen – und dann, kaum enterten wir die Musikmuschel, drehte der Wind: trocken wurde es, und zum Schluss lugte doch tatsächlich die Sonne ums Eck, als wollte sie auch noch eine Strophe mitsingen.

Und das Publikum? Kein bisschen seekrank! Erstaunlich viele tapfere Landratten hatten sich trotz Schietwetter an Deck gewagt und hielten wacker die Stellung. Ehre, wem Ehre gebührt – wer bei Windstärke soundso auf der Promenade ausharrt, hat einen Shanty verdient. Oder zwölf.

Für die nötige Schmierung der Stimmbänder war natürlich gesorgt. Statt Rum aus der Pulle gab’s diesmal – festhalten – Eierlikör. Und der hatte es in sich: In Australien läuft seit fast hundert Jahren das langsamste Experiment der Welt, bei dem Forscher zugucken, ob Pech in Wahrheit doch flüssig ist – etwa alle zehn Jahre fällt ein einziger Tropfen, und in fast einem Jahrhundert hat noch kein Mensch es geschafft, dabei live zuzusehen. Ungefähr diese Konsistenz hatte unser Eierlikör im Becher. Wer den kippen wollte, brauchte Geduld, ruhige See und am besten einen Forschungsantrag. Aber damit war der Kurs klar, und aus unserem guten alten
„Bei Windstärke vier tranken wir Köm und Bier“
wurde kurzerhand, ganz nach Wetterlage und Bordvorrat:
„Bei Windstärke veer da tranken wir Eierlikör.“
Prost, ihr Landeier!

Am Ende bebte die Muschel, die Sonne schien, und niemand ging über Bord. Ein Konzert wie aus dem Seemannsgarn – nur wahr. Leinen los, bis zum nächsten Mal!