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Abschied vom Open Air

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Es gibt Tage, da meint es der Himmel besonders gut mit einem Chor, der sonst gern von Wind, Wetter und feuchter Gischt singt. Unser letzter Open-Air-Auftritt in diesem Jahr war so ein Tag: strahlender Sonnenschein, nur kleine Wölkchen und eine Temperatur, bei der selbst der hartgesottenste Seemann freiwillig die Jacke auszog. Petrus, so scheint es, hat zum Saisonabschluss noch einmal alle Register gezogen – und wir gleich mit.
Doch bevor der erste Ton erklang, wurde es kurz aufregend. Denn statt uns wie gewohnt einfach aufzustellen und loszusingen, erwartete uns diesmal ein regelrechtes Fotoshooting. Eine Kamera war schnell akzeptiert – die kennt man ja, die hält still und macht keinen Lärm. Doch dann erhob sich mit einem feinen Summen ein zweiter Gast in die Luft: eine Drohne.


Man muss dazu sagen: Ein Shantychor besingt seit jeher Möwen, Wind und allerlei fliegendes Getier über dem Meer. Dass eines dieser Wesen nun mit blinkenden Lichtern und einem Brummen wie ein aufgescheuchter Hummelstaat direkt über unseren Köpfen kreiste, war dann doch neu. Der eine oder andere Blick wanderte unsicher nach oben, als warte man darauf, dass das Ding gleich einen Fisch klaut. Für die perfekte Aufnahme sollten wir natürlich alle geradeaus und würdevoll in die Kamera schauen – was gar nicht so einfach ist, wenn über einem etwas schwebt, das aussieht wie eine technisierte Verwandtschaft der Sturmmöwe. Am Ende hat es dann doch geklappt, und irgendwo existieren nun Luftbilder, auf denen wir von oben betrachtet vermutlich wie eine ordentlich sortierte Ladung Backsteine wirken.


Dann aber ging es endlich los. Und was sollen wir sagen: Die Ränge waren voll bis auf den letzten Platz. So viel Publikum haben wir selten vor uns gehabt, und die Stimmung trug uns von Lied zu Lied. Wir sangen und sangen, die Sonne sank tiefer, der Himmel färbte sich, und noch immer wollte keiner nach Hause. So kam es, dass wir tatsächlich bis in die Dunkelheit hinein sangen – und, ehrlich gesagt, klingen unsere Lieder von der weiten See bei einbrechender Nacht ohnehin am schönsten.


Als der letzte Ton in der Dämmerung verklungen war, war die Drohne längst wieder gelandet, die Kamera verpackt und das Publikum warm ums Herz. Ein besserer Schlusspunkt für die Open-Air-Saison hätte uns kaum gelingen können. Wir sagen Danke – dem Wetter, dem Publikum und der Möwe mit den Rotoren, die uns von oben zugesehen hat.